LESEPROBE


In diesem Augenblick nahm ich ihren Kopf in meine Hände und führte ihn fest an meine Lippen und spürte keine Gegenwehr.

Nun war ich wieder einmal wahnsinnig verliebt. Gesprochen haben wir kein Wort, aber trotzdem verstanden wir uns. Der Film war zu Ende, jetzt kam der Abschied. Sie sprach auf mich ein, verstehen konnte ich sie nicht, da ich ihre Sprache nicht beherrschte. Plötzlich stand ein junger Mann mir gegenüber und offenbarte mir im gebrochenen Deutsch, er sei ihr Bruder und sie laden mich herzlich ein ihre Eltern kennenzulernen. Was ich bis dahin nicht wusste, ich hatte mich mit einer wunderschönen Zigeunerin eingelassen. Rainer und Hartmuth rieten mir ab mitzugehen, aber ich ließ mich nicht beirren und nahm die Einladung an.

Es kam mir vor, als wenn ich dieses schöne Mädchen schon lange kenne. Für diesen Moment war ich sehr glücklich, dachte weder an die Flucht in den Westen, noch dachte ich an mein Noch-Zuhause in der DDR.


 


 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------


 


 


In Brezi nach Mitternacht angekommen,

lief ich direkt auf diesem  Weg der nur durch 1 oder 2 Straßenlampen duster beleuchtet war in Richtung Staatsgrenze. 

Jetzt wusste ich, die Staatsgrenz der CSSR nach Österreich war greifbar nah. 

Meine Gedanken spielten verrückt, nun war ich fast am Ziel meiner Träume angelangt und doch lag das Ziel so fern. Auch dachte ich in diesem Moment kurz darüber nach an diesem oder jenem Haus zu klopfen, ich glaube es waren 2 Häuser, wo noch Licht brannte. Aber das Misstrauen und vielleicht auch Angst ließen mich sofort von diesem Gedanken Abstand nehmen.

Nur nicht fassen lassen, schwirrte mir durch den Kopf, zurück nach Weißenfels (DDR), oh nein diesen Gedanken ließ ich sofort wieder fallen, Manfred, jetzt musst du stark sein. 

In  kurzen Momenten dachte ich über mein Leben nach: Was wird die Zukunft bringen, oder werde ich in die Vergangenheit zurückgeholt, zurückgeholt in diesen Arbeiter und Bauernstaat (DDR) oder wird heute mein Leben ein Ende finden in Minenfeldern oder durch einen gezielten Schuss eines CSSR Grenzsoldaten aus einer russischen Kalaschnikow (Maschinenpistole)

Immer näher kam ich der Staatsgrenze, ich atmete schon die Gefahr, die in der Luft lag.

Als ich das Ortsende erreichte, stieß ich auf eine Eisenbahnlinie und direkt hinter der Bahnlinie sah ich 3 Stacheldrahtzäune, das war sie, die Staatsgrenze der CSSR nach Österreich!

Wie kann ich diesen gutgesicherten Wall überwinden? 

Ich kroch zurück in ein Rübenfeld und beobachtete, was so vor sich ging an diesen Todesstreifen. Die Nacht war sehr kalt und feucht, meine nassen Sachen nach einer Fluss-Durchquerung ließen mich stark frösteln, aber ich steckte diesen Umstand einfach weg.

Ich beobachtete eine Grenzstreife, ein darauf folgender Güterzug war für mich das Signal zum Aufbruch. 

Unmittelbar nach dem letzten vorbeifahrenden Waggon setzte ich mich in Bewegung Richtung Sperrzaun (STAATSGRENZE der CSSR nach ÖSTERREICH).